Exponat: MB MicroVision (1979-1982)

99 Aug 2013   //   Autor: Stefan Pitsch   //   Exponate, Projekte & Ausstellungen  //  Ein Kommentar

1979 MB Microvision_low

1979 entwickelte Jay Smith, der zuvor bei Mattel gearbeitet und dann seine eigene Firma „Smith Engineering“ gegründet hatte, ein Konzept für ein neuartiges, mobiles Spielgerät. Das Konzept wurde von Milton Bradley („MB“) gekauft und unter dem Namen „MicroVision“ produziert

Das MicroVision war die erste mobile Spielekonsole mit wechselbaren Spielmodulen („Cartridges“). Interessant an dem Konzept der MicroVision war es, dass die Konsole selber reichlich „dumm“ war: Sie lieferte „nur“ den Bildschirm, Soundausgabe (ein Piezo-Piepser) und die Eingabesysteme – es befanden sich keinerlei sonstige Chips im Grundgerät. Stattdessen brachten die Module den jeweiligen programmierten Spielchip und ROM-Speicher mit. Die Steuerung der Spiele erfolgte über bis zu zwölf Eingabetasten (Anzahl und Belegung unterschiedlich pro Spiel) und einen einzelnen „Paddle„-Controller. Geliefert wurde das Gerät mit einer Lederimitätshülle. Handlich ist die MicroVision nur bedingt – was bei einer Größe von 24 x 9 cm nicht weiter verwundert.

Als Steuerungschips verwendete man zunächst zwei verschiedene Chips parallel: Den 4-Bit Intel i8021 (1KB ROM) und den 8-Bit TI TMS1100 (2KB ROM). Beide waren mit jeweils 100 KHz getaktet und brachten sagenhafte 16 Byte RAM Speicher mit. Später wurde komplett auf den TMS1100 umgeschwenkt, wobei alte i8021 Spiele für neue Modul-Editionen auf den TMS1100 umprogrammiert wurden. Durch die verringerte Stromaufnahme des TMS1100 Chips (nur 110 mW statt 1 W) war es möglich, die bisherige Nutzung von zwei 9V-Blöcken auf einen Block zu verkleinern – allerdings wurde das Gehäuse nicht angepasst, sondern nur die Kontakte des zweiten Batteriefaches entfernt und das freie Fach als „Fach für Ersatzbatterie“ umdeklariert. So sparte man sich teure Anpassungen an den Gußformen und auf diese Weise kann man auch schnell erkennen, ob man ein Gerät der ersten Baureihe hat.

Das MicroVision war ambitioniert, visionär und bahnbrechend. Aber leider war die Technologie noch nicht so weit, diese Vision adäquat zu unterstützen. Die verfügbaren LC-Displays boten eine nicht gerade berauschende Auflösung von 16×16 Pixeln (ja, das sind tatsächlich nur 256 Pixel insgesamt) in nur zwei „Farben“. Erst zehn Jahre später, 1989 kam mit dem Nintendo „Game Boy“ der Durchbruch der mobilen Konsolen. Der Game Boy bot dann aber auch durch den technischen Fortschritt eine Auflösung von 160×144, also 23.040 Pixeln, was dem 90-fachen des MicroVision entspricht und es waren vier Farbstufen möglich.

Das MicroVision war trotzdem zunächst ein Erfolg, da es nichts vergleichbares am Markt gab, allerdings führten die extreme Limitierung der graphischen Darstellung und die mangelnde Unterstützung von Spieleherstellern nach nur zwei Jahren zur Einstellung der Produktion 1981 und dem Verkaufsstopp 1982. Insgesamt wurden 13 Spiele für das Microvision entwickelt, wovon nur 12 in den Handel gelangt sind:

  • Block Buster
  • Bowling
  • Connect Four / Vier Gewinnt
  • Mindbuster
  • Pinball / Flipper
  • Star Trek: Phaser Strike (later just Phaser Strike) / Shooting Star
  • Vegas Slots
  • Baseball
  • Sea Duel / See-Duell
  • Alien Raiders
  • Cosmic Hunter
  • Super Blockbuster (nur in Europa erschienen)
  • Barrage (nicht mehr veröffentlicht)

Als Spiel besonders herausstechend war „See-Duell“ („Sea Duel“), welches das erste echte Mehrspielerspiel für eine mobile Konsole war. Zwei Spieler konten nacheinander ihre Spielzüge eingeben und das MicroVision hat dann die Züge simultan pro Spielrunde ausgewertet.

Die Module der MicroVision waren und sind immer noch extrem anfällig für statische Entladungen, da es keinerlei ESD-Schutz gibt und die Chips direkt mit den Pinkontakten verbunden sind – man muss immer darauf achten, die Kontakte oben am Modul geschlossen zu halten und nicht mit den Fingern dranzutatschen – sonst ist das Modul schnell Geschichte. Zusätzlich war das Design der Tasten an Plastiklaschen nicht gerade ideal und führte bei häufigem Gebrauch oft zum Abbrechen der Tasten. Als wäre das nicht alles schon schlimm genug, sind auch die verwendeten Displays von relativ minderer Qualität, was bei vielen bereits zum berüchtigten „Auslaufen“ der Flüssigkristalle geführt hat, daher gibt es leider nicht mehr so viele funktionierende Geräte und Module.

Interessantes:

  • Wer mal sehen will, wie sich die Spiele so anfühlen, kann dies Online mit Hilde des MicroVision Simulators mal antesten: LINK.
  • Es gibt auch einen Offine-Emulator, der kann aber bisher nur ein Spiel – Phaser Strike – darstellen: LINK.
  • Und wer möchte, kann sich ein Papier-Modell des MicroVision selber basteln – die PDF Vorlage findet man hier: LINK.

Jay Smith hat später übrigens einen weiteren Meilenstein der Videospielgeschichte entwickelt: Die Vectrex – doch dazu später mehr…

.stefan

 

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