Zur Ausstellung: Digitale RETROkultur heute

33 Aug 2013   //   Autor: Stefan Pitsch   //   Projekte & Ausstellungen  //  Ein Kommentar

Begleitend zu unserer Ausstellung “Digitale RETROkultur“* haben wir euch im ersten und zweiten Teil der Reihe die Geschichte hinter dem MOS 6502 Prozessor vorgestellt, im dritten Teil über den Videospielcrash von 1983/84 geplaudert und im vierten Teil einen kleinen Exkurs in das portable/mobile Rechnen gemacht. Im heutigen fünften (und zunächst auch letzten) Teil führen wir das Thema wieder in die heutige Zeit zurück.

8bit

Die technisch limitierten Möglichkeiten der frühen Spielekonsolen und Heimcomputer aus den 1970er und 1980er Jahre hatten und haben einen unübersehbaren Einfluß sowohl auf die bildenden Künste als auch die zeitgenössische Musikszene.

Die Faszination der „guten alten Zeit“ und ihrer Spiele zeigt sich prägnant auch darin, das auf jeder neuen Generation von Spiele-Konsolen viele „alte“ Spiele erneut als spielbare Versionen zum Kauf und Download angeboten werden. Dies gilt für alle Konsolen von Sega, Microsoft, Sony und Nintendo seit Mitte der 90er Jahre gleichermaßen. Auch für den PC gibt es viele Spiele-Sammlungen, welche mittels Emulatoren das Spielen von Originalklassikern aus Spielhallen und Heimkonsolen der 80er Jahre möglich machen.

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Pixelreduktion des bekannten Portraits von Che Guevara

Pixel-Art als graphische Stilrichtung in der bildenden Kunst beschränkt sich auf die Möglichkeiten der technisch begrenzten Rastergrafik, in der alle Bildelemente mittels einzeln klar erkennbarer Pixel („Klötzchen„) dargestellt werden. Zusätzlich ist die Farb-palette oft auf eine geringe Anzahl von Farbtönen (zumeist 16) begrenzt. Pixel-Art kann sowohl als originäre Abbildungsweise verwendet werden, als auch in der Reduktion von bekannten Bildern und Kunstwerken.

Diese „Klötzchengrafik“ wird heute in vielen Spieleproduktionen verwendet, um den Charme und Spielwitz der damaligen Zeit einzufangen. Zwei bekannte Beispiele sind „Braid“ und die „BIT.TRIP„-Serie. Oft wird dabei die Pixel-Art der Spielfigur mit detaillierten, gemalten Hintergründen in Kontrast gesetzt. Die Einflüsse der 8bit-Ära findet sich auch in modernen Kunstwerken, welche mit Bildzitaten und Verfremdungen bekannter Spielehelden Alt und Neu verschmelzen, sowie in der Werbung und der Bildästhetik von Zeitschriften, wie z.B „WIRED„.Bekannte Künstler der Pixel-Art-Szene sind u.a. „eboy„, deren isometrische Pixelwerke sowohl für Werbungen für SAP, Coca Cola, Honda und Adidas als auch z.B. für SPIEGEL-Titelbilder verwendet wurden.

Es existiert heute eine rege Musikszene, welche „Chiptunes“ erstellt und veröffentlicht. „Chiptunes“ sind im engeren Sinne Musikstücke, welche unter Selbstbeschränkung auf Wellenformen und Tongestaltung der Sounderzeugung früher Spielekonsolen und 8bit-Heimcomputer entstehen. Im weiteren Sinne gelten auch Stücke als „Chiptunes“, wenn wesentliche Bestandteile den vorgenannten Beschränkungen unterliegen, diese aber durch zusätzliche Mittel, wie z.B. Gesang oder Schlagzeug ergänzt werden. „Chiptunes“ können auch als sog. „De-Makes“ auftreten, wobei bekannte Musikstücke auf die 8bit-Tonalität reduziert werden.

Eine weitere Spielart ist die Einbindung von „chiptune“-basierten Sounds und Melodien in moderne Popmusik, wie es z.B. bei dem Lied „Do it“ von Nelly Furtado der Fall ist – hier wurde ein Musikstück vom Commodore C64 als Hintergrund gesampled (was allerdings einen Rechtsstreit nach sich zog). Als Beispiel für „De-Make“-chiptunes sei stellvertretend auf die Bearbeitung kompletter Alben bekannter Künstler (Garbage, Tori Amos und Alanis Morissette) durch Daryl Banner hingewiesen, welche auf YouTube veröffentlich wurden.

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„Ralph reicht’s“ – Promotion-Bild für den gleichnamigen Disney-Film

Auch in Videos und Filmen werden stilbildende Mittel der 8bit-Ästhetik verwendet. Dies begann bereits 1982 mit „TRON“ und setzte sich bis heute nahezu ununterbrochen fort (z.B. “Scott Pilgrim gegen die Welt”). Jüngstes Beispiel ist der 2012 in die Kinos gekommene Film „Ralph reicht’s!“ (eng. „Wreck-It Ralph„), in dem der gleichnamige „Bösewicht“ eines erfundenen 8bit-Arcadespieles der Protagonist des Filmes ist. Zur Promotion des Filmes wurde ein „8-Bit Spiel“ programmiert („Fix It Felix, Jr.“), welches dann in umgebauten Arcade-Automaten zur Schau gestellt wurde (es ist auch für PC, iOS etc erhältlich). Wir vom DRP haben uns auch einen solchen „Fix It Felix, Jr.“ Automaten gebaut und zum Filmstart im Cinemaxx Offenbach zur Freude der jungen und auch der nicht mehr ganz so jungen Kinogänger aufgestellt.

.stefan

 

* Museum Großauheim, Pfortenwingert 4, 63457 Hanau
30.06 – 29.09.2013 // Do – So 10-12 und 14-17 Uhr // 2€ Eintritt

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